Kurzinfo zu Burschenschaften generell und in Innsbruck sowie einzelne „Persönlichkeiten“

Allgemeines

Grundsätzlich gilt für männerbündische Studentenverbindungen der Überbegriff der „Farben tragenden Studenten“ (Couleur-Studenten). Es gibt zwei unterschiedlich ideologisch ausgerichtete Strömungen unter den Studentenverbindungen: Erstens katholisch-konservative Cartellverbände (CV) und zweitens deutschnationale Burschenschaften, organisiert in der Deutschen Burschenschaft DB – auch in Österreich (sic!).

Die der ÖVP nahestehenden katholischen, „österreichtreuen“ Studentenverbindungen wie etwa der AV Austria sind fast alle im Cartellverband (CV) organisiert. Diese Verbindungen grenzen sich vom Deutschnationalismus ab, sind teilweise monarchistisch bis „patriotisch“ eingestellt (Leitspruch: Religio - Patria - Scientia - Amicitia; Religion - Vaterlandsliebe - Bildung - Brüderlichkeit) und schlagen im Regelfall keine Mensuren (Fechtduell zwischen zwei Burschen, bei dem einer von beiden den „Schmiss“, die berühmte Narbe im Gesicht, erhält).

Die deutschnationalen Burschenschaften schlagen fast alle Mensuren am „Paukboden“ (schlagende Verbindungen) und haben ein sehr vages Verhältnis zur österreichischen Republik und zur Demokratie im allgemeinen. In unzähligen Aussagen und Interviews betonen deutschnationale Burschenschafter in Österreich immer wieder, „Teil des deutschen Volkes zu sein“. Aktuell sind etliche Nationalratsabgeordnete der FPÖ und auch zumindest Einer des BZÖ Mitglieder in schlagenden, deutschnationalen Burschenschaften.

Der Leitspruch der deutschnationalen Burschenschafter ist „Freiheit-Ehre-Vaterland“, der im Übrigen auch den „Freiheits“-Adler vor der Hauptuni Innsbruck ziert. Burschenschaften waren und sind Rekrutierungs- und Brutstätten rechten, manchmal eindeutig rechtsextremen Gedankenguts. Die Wiener Burschenschaft Olympia, deren „Alter Herr“ (so werden jene Burschenschafter genannt, die ihr Studium abgeschlossen und einen Beruf innehaben) Martin Graf von FPÖ, BZÖ, ÖVP und Teilen der SPÖ zum 3. Nationalratspräsidenten gewählt wurde, wurde 1961 wegen Beteiligungen an den Südtiroler Bombenanschlägen aufgelöst. Aktivster Burschenschafter dieser Zeit war Norbert Burger, später Begründer der Nationaldemokratischen Partei (NDP) in Österreich, die ebenfalls vom Verfassungsschutz wegen NS-Wiederbetätigung im Jahr 1988 verboten wurde. Dr. Franz Werner Königshofer, derzeit Tiroler FPÖ-Nationalratsabgeordneter, war in den 1970er Jahre in der NDP aktiv. In der Zeit der Regierungsbeteiligung der FPÖ 2000-2005 fanden mehrere „Verbindungsbrüder“ Zugang zu staatlichen Unternehmen, u.a. Seibersdorf.

Burschenschaft Brixia

Die Burschenschaft Brixia wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) als rechtsextrem eingestuft. Die Brixen (Innstraße 18) waren Ende des 19. Jahrhunderts eine der ersten Studentenverbindungen, die den „Arierparagraphen“ (keine jüdischen Studenten) in ihre Satzungen aufnahm. Nach Angaben des ehemaligen Innsbrucker Zeitgeschichtlers Michael Gehler war mehr als die Hälfte der Brixen vor 1933 illegale Nationalsozialisten. Während des Zweiten Weltkrieges waren überdurchschnittlich viele Burschenschafter der Brixia in der SS an Menschheitsverbrechen beteiligt. 1952 wieder gegründet, fielen Brixen wiederholt durch antisemitische Übergriffe auf: 1961 schändeten ein Brixe und ein Mitglied der Burschenschaft Suevia den jüdischen Friedhof in Innsbruck. Einige Burschenschafter (Herwig Nachtmann, Erhard Hartung, siehe unten) waren auch in Burgers neonazistischer NDP aktiv. 1989 lud die Brixia Holocaustleugner David Irving nach Innsbruck. Nachdem dieser aber wegen eines Vortrages am Vorabend in Wien nicht mehr in Österreich auftreten durfte, wurde die Veranstaltung einfach nach Bayern verlegt. 1995 wurde ein prominentes Mitglied der Brixia nach dem NS- Verbotsgesetz verurteilt, ohne dass dies verbandsinterne Auswirkungen gehabt hätte. Aktive Teilnahme an den Burschenschafterkommersen in Innsbruck 1994 und 2000. 2005 hielt Scrinzi zusammen mit dem FPÖ-Parteihistoriker Lothar Höbelt im Innsbrucker Stiftskeller (Altstadt) eine Veranstaltung mit dem Titel “8. Mai 1945 – 60 Jahre Befreiung oder Niederlage?” ab. Dazu hatte der Ring freiheitlicher Studierender (RfS) geladen. Der derzeitige Obmann des RFS, der FPÖ-Studentenorganisation, Politikwissenschaftsstudent Christoph Mösenbacher ist auch Brixe und offizieller Organisator des heurigen Burschenschafterkommers.

Persönlichkeiten:

Otto Scrinzi (Verein Deutscher Studenten Innsbruck; heute: VDSt Maximiliana Innsbruck)

SA-Sturmführer und frühes NSDAP-Mitglied, Mitarbeiter im „Erb- und Rassenbiologischen Institut in Innsbruck, Nervenfacharzt, Autor mehrerer rechtsextremer Publikationen, Mitbegründer des VdU (Verein der Unabhängigen), Sammelbecken ehemaliger Nazis und Vorläuferorganisation der FPÖ (ab 1956), Präsidentschaftskandidat. Zitat Otto Scrinzi: „Ich war schon immer rechts, auch innerhalb der NSDAP.“

Franz Werner Königshofer

studierte Geschichte und Jus, Mitglied von Burgers National-Demokratischen Partei in den 1970er Jahren, 1977 zweiter Landessprecher für "Gesamttirol“ in der NDP, Mitarbeit in der neonazistischen Zeitschrift „aktuell“ und im Jahre 1975 Mitorganisator des „Ersten Mitteleuropäischen Jugendkongresses“, der wegen seiner „neonazistischen Ausrichtung“ ebenfalls verboten wurde; in den 1990er Jahren FPÖ-Bundesrat, seit 2008 Nationalratsabgeordneter. Im Internet nennt sich Franz Werner Königshofer den "Königstiger". Was die wenigsten wissen: Neben der gestreiften Raubkatze bezeichnet "Königstiger" auch einen, von der deutschen Wehrmacht im "Dritten Reich", entwickelten Panzer.

Erhard Hartung

Wurde in Italien in Abwesenheit wegen Beteiligung an einem terroristischen Akt mit vier Todesopfern verurteilt. Zwischenzeitlich Mitglied der NDP. Sprecher der „Kameradschaft der ehem. Südtirolkämpfer“.

Herwig Nachtmann

Alter Herr der Brixen. Vormaliger Aktivist der neonazistischen NDP. Unter seiner Verantwortung wurde im rechten Ideologie-Blättchen „Aula“ der Holocaust geleugnet.

Burschenschaft Suevia

Deutschnationale, schlagende Verbindung in der Höttinger Gasse 27, wird so wie die Brixia vom DÖW als rechtsextrem eingestuft. Sie bekennt sich, laut eigener Definition, „zur deutschen Geschichte und Kulturnation und tritt ein für die Förderung des deutschen Nationalbewußtseins und die Bewahrung der Eigenständigkeit und Weiterentwicklung der deutschen Kultur.“ Auf ihrer Homepage lassen sich unter anderem folgende, ideologisch klar zuordenbare Zitate finden: „Niederlage 1945“, „alliierte Siegerwillkür“. Die Kärntner Slowenen werden als „Volksdeutsche“ und „Kärntner im Grenzland“ bezeichnet.

Offener Antisemitismus noch in den 1960er Jahren: "Wir müssen (...) betonen, daß es für die Deutsche Burschenschaft in Österreich unmöglich ist, Nichtdeutsche aufzunehmen. Wir (...) stehen auf dem allein burschenschaftlichen Standpunkt, daß somit auch der Jude in der Burschenschaft keinen Platz hat.“

Der Sueve, der an der Schändung des jüdischen Friedhofes beteiligt war, zwängte seinen Antisemitismus zuvor in holprige Reimform:
„...der einzige Feind, den es Wert ist zu hassen
und unter Umständen auch zu vergasen
ist doch der ewige Jude, der heute
wie früher die dummen, weil ehrlichen Leute bestiehlt
und uns allen die Frischluft wegsaugt
nicht ahnend, dass er nur zum Einheizen taugt.
Die Zeit wird bald kommen, darauf ist Verlass,
dass man ihn zum letzten Mal setzt unter Gas.
Dann werdet auch Ihr, trotz Aktiven-Allüren,
das Feuer von Auschwitz behüten und schüren.
Wir werden, wenn auch ohne Mütze und Band,
die Gasöfen füllen bis an den Rand.“

Ebenfalls aktive Teilnahme an den Burschenschafterkommersen in Innsbruck 1994 und 2000. Seit Jahrzehnten weigern sich die Sueven, an ihrem Ehrendenkmal, perfiderweise nur wenige Meter Luftlinie vom jüdischen friedhof entfernt, den Namen von Gerhard Lausegger zu entfernen oder auch nur eine Zusatztafel anzubringen, die auf dessen Geschichte hinweist (siehe weiter unten).

Im Jahr 2007 stellten Burschenschafter der Suevia zusammen mit der Partei „Südtiroler Freiheit“ am Brennerpass eine Gedenktafel mit der Aufschrift „Südtirol ist nicht Italien“ auf.

Persönlichkeiten:

Gerhard Lausegger

Mörder an Richard Berger, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Tirol, in der Reichspogromnacht vom 9. auf 10. November 1938; auch er war SS-Obersturmbannführer. Ehrenmal am Westfriedhof, wenige Meter vom Jüdischen Friedhof entfernt.

Sängerschaft Skalden

Das Motto der „Sängerschaft“ lautet bezeichnenderweise: „Deutscher Lieder Klang und Kraft, stähl’ dich, deutsche Jungmannschaft!“

Die Skalden sind im Gegensatz zu Brixia und Suevia nicht pflichtschlagend. Beheimatet ist sie in der Defreggerstr. 32. Antisemitische und deutschnationale Tendenzen lassen sich bei den Skalden von Anfang an nachweisen. 1911 gegründet waren bereits 1919 auf den Umschlägen eines Skalden-„Kneipbuches“ antisemitische Karikaturen zu finden.

Dass auch ihr Motto durchaus wörtlich gemeint ist, zeigt sich daran, dass die Skalden 1992 aus ihrem Dachverband, der „Deutschen Sängerschaft“ austraten, da diese „sogar Chinesen, die sich zur Pflege des deutschen Kulturgutes verpflichten“ aufnehmen würde. Die enge Verbindung zu FPÖ und BZÖ lässt sich auch bei den Skalden recht einfach herstellen: Zum Einen hat die Sängerschaft in den 80ern zu wesentlichen Teilen das Parteiprogramm der damaligen FPÖ mit ausgearbeitet. Zum Anderen ist der ehemalige FP-Volksanwalt und BZÖ-Kandidat bei den EU-Wahlen 2009, Ewald Stadler, das wohl prominenteste lebende Mitglied der Sängerschaft. Aber auch sonst zeichnen sich die Skalden durch besonders „honorige“ Ehemalige aus.

Persönlichkeiten:

Hermann Richter

SS-Obersturmbannführer, KZ-Arzt in Mauthausen, Gusen und Dachau. Davon abgesehen, dass KZ-Ärzte generell für besonders brutale und menschenverachtende Praktiken bekannt sind, hat Hermann Richter gesunden LagerinsassInnen Organe „entnommen“, um zu testen wie lange die jeweiligen Gefolterten ohne diese überleben konnten.

Ferdinand von Sammern-Frankenegg

War SS-Polizeiführer des Distriktes Warschau und verantwortlich für die Deportation der Warschauer Jüdinnen und Juden. Persönlich verantwortlich ist Sammern-Frankenegg für die Ermordung von mindestens 1000 und für die Deportation von 5500 Warschauer JüdInnen.

Ewald Stadler

Ließ 2001 verlauten, der Geburtenrückgang sei der Untergang „unseres Volkes“. Sprach sich 2002 für einen „enttabuisierten Umgang mit unserer Geschichte“ aus und nannte den – wegen Volksverhetzung in Deutschland verurteilten – Antisemiten, Neonazi und Holocaustleugner Horst Mahler als Beispiel für diesen Umgang, „der dafür auch entsprechend verfolgt wird“